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Begriffe
Valenz:
Wertigkeit beider Augen bezüglich der stereoskopischen
Richtungswahrnehmung.
Prävalenz:
Dominanz eines Auges in der stereoskopischen
Richtungswahrnehmung.
Äquivalenz:
Gleichwertigkeit beider Augen bezüglich der
stereoskopischen Richtungswahrnehmung bei
temporaler oder bei nasaler Querdisparation.
Stereo-Sehgleichgewicht:
Gleichzeitiges Vorhandensein von Äquivalenz bei
temporaler und bei nasaler Querdisparation.
Anwendungszweck
Korrigieren der dritten bis sechsten Unterart
von FD II.
Prüfen auf Stereo-Sehgleichgewicht durch
Klären der
Frage, ob in beiden Darbietungsarten die Stereo-Objekte
(Dreiecke) in der räumlich richtigen horizontalen Position
relativ zum Fixationsobjekt (Punkt mit Skalen)
wahrgenommen werden.
Richtlinien zur Testerläuterung und
-anwendung
Zunächst kann darauf hingewiesen werden, dass bei
diesem Test nicht die räumliche Tiefe beurteilt werden soll.
Dem Klienten ist in jedem Fall die Bedeutung der Mess-
Skalen zu erklären. Bei Bedarf kann die maximal mögliche
seitliche Verschiebung der Dreiecke (bis zum Ende der
Skalen) durch kurzes Zuhalten jeweils eines Auges gezeigt
werden.
Bei eingeschränkten Panumbereichen ist
es möglich, dass
die Dreiecke oder der Punkt doppelt gesehen werden.
Deshalb ist durch eine entsprechende Frage sicherzustellen,
dass keine Diplopie vorliegt.
Ist Diplopie vorhanden, so ist zu klären,
ob die Dreiecke
(oder der Punkt) in beiden Darbietungsarten doppelt gesehen
werden. In diesem Fall kann hilfsweise einer der
beiden Stereoteste St oder St11 zur groben Abschätzung
der Valenz verwendet werden.
Die Position der Dreiecke wird in beiden
Darbietungsarten
jeweils für oben und unten einzeln erfragt.
Zum Feststellen geringer Unterschiede zwischen
oberer
und unterer Dreieckposition wird gefragt, ob die
Dreieckspitzen genau aufeinander zeigen.
Zum Feststellen geringer (Rest-) Abweichungen
von der
Skalenmitte kann das schnelle Wechseln der Darbietungsart
hilfreich sein.
Bei der Wahrnehmung von Prävalenzen
wird nach den folgenden
Korrektionsregeln verfahren:
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Befinden sich aufgrund des bisherigen
Ablaufs der MKH
bereits Prismen in der Messbrille, dann werden bei der
Wahrnehmung von Prävalenzen die prismatischen
Korrektionsschritte zunächst verstärkend in den bisher
gefundenen Basislagen durchgeführt.
- Befinden sich aufgrund des bisherigen
Ablaufs der MKH
noch keine Prismen in der Messbrille, dann werden zunächst die
folgenden Korrektionsregeln angewendet:
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Wahrnehmung am Valenztest
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Basislage
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Größere
Prävalenz bei normaler Darbietung
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innen
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Größere
Prävalenz bei inverser Darbietung
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außen
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Gleich große
Prävalenz in beiden Darbietungsarten
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oben oder unten
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Diese Korrektionsregeln gelten nur, wenn
der Klient den Fixierpunkt anblickt. Im Unterschied
zum Stereotest ist
das hier in den meisten Fällen gegeben, weshalb auf
einen entsprechenden Hinweis verzichtet werden kann.
Führen beide Vorgehensweisen nicht zu
verbesserter Testwahrnehmung, also zu keiner verringerten Prävalenz,
wird
versuchsweise auch mit den bisher nicht verwendeten
Basislagen in beiden Darbietungsarten geprüft.
Bei in beiden Darbietungsarten vorhandener,
aber deutlich
unterschiedlicher Prävalenz, ist zuerst der horizontale WFAnteil
zu korrigieren.
Nur bei dauerhaft verbesserter Testwahrnehmung
wird die
prismatische Veränderung in die Korrektion übernommen:
Größe der Korrektionsschritte
Die prismatischen Messgläser werden am Valenztest nicht
kontinuierlich verstärkt, sondern ausschließlich in diskreten
Schritten von 0,25 cm/m oder 0,5 cm/m (gewöhnlich 0,25 cm/m) in folgender
Weise vorgehalten:
Erstes gewähltes Messglas vorhalten
und nur bei
bleibender Verbesserung im Sinne des Korrektionskriteriums übernehmen,
ansonsten wieder wegnehmen und mit dem nächststärkeren in gleicher
Weise verfahren.
Sofern Prävalenzen nicht vollständig
zu beseitigen sind,
wird das schwächste Prisma gegeben, mit dem die bestmögliche
Symmetrie erreicht wird.
Das bedeutet: Der wahrgenommene Abstand des
oberen
und des unteren Dreiecks von der Skalenmitte soll in beiden Darbietungsarten
möglichst gering und möglichst gleich sein, außerdem soll
in jeder Darbietungsart das obere und das untere Dreieck in möglichst
gleichem Abstand von der Mitte erscheinen.
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